Was war wann - Info Chronik 1979

Chronik 1979

Im Iran entwickelte sich 1979 die Situation endgültig zu Ungunsten des autoritär herrschenden Schahs Reza Mohammed Pahlewi. Sein Verwestlichungskurs („Weiße Revolution“) hatte insbesondere orthodoxe Muslime und mittelständische Händler gegen ihn aufgebracht. Der seit 1978 im Pariser Exil wirkende Ajatollah Ruhollah Chomeini (Khomeini) hatte sich an die Spitze dieser als „Islamische Revolution“ bezeichneten Anti-Schah-Bewegung gestellt. Mitentscheidend für den schließlichen Zusammenbruch des Schah-Regimes war die Konferenz von Guadeloupe. Die wichtigsten Regierungschefs des Westens beschlossen bei diesem Treffen Anfang Januar 1979, dem durch zahlreiche Menschenrechtsverletzungen diskreditierten Schah-Regime weitere Unterstützung zu versagen und mit Chomeini in Kontakt wegen einer Regierungsumbildung zu treten. Am 16. Januar verließ der Schah sein Land Richtung USA. Am 1. Februar durfte Chomeini auf Druck der westlichen Staaten in den Iran zurückkehren. Der von Millionen Iranern begeistert empfangene Ajatollah erklärte die Schah-Regierung für illegal. Der Großteil der Armee verhielt sich neutral. Es kam zu Straßenkämpfen zwischen Chomeini-Milizen und schahtreuen Truppen. Mitte Februar war das Land in der Hand der Chomeini-Anhänger. Am 31. März wurde nach einem Referendum die Islamische Republik Iran gebildet und Chomeini errichtete einen autoritären Gottesstaat, in dem Abweichler verfolgt und getötet wurden. Im November stürmten 400 radikal-islamische Studenten die US-Botschaft in Teheran, besetzten sie und nahmen 52 US-Botschaftsangehörige als Geiseln. Die Geiselnehmer verlangten die Auslieferung des sich in den USA aufhaltenden Schahs. Die Rolle der iranischen Regierung bei dieser Aktion blieb unklar und führte dauerhaft zu einer Krise der iranisch-amerikanischen Beziehungen. Die Geiselnahme dauerte bis 1981.
Eine Besetzung ähnlich spektakulärer Art erlebte der saudi-arabische Wallfahrtsort Mekka im November 1979. 500 fanatische Islamisten stürmten am 20. November die Große Moschee, zu der auch das Heiligtum Kaaba gehört. Die Besetzer nahmen mehrere tausend Gläubige als Geiseln und verkündeten das Ende der Welt sowie die Ankunft des Mahdi. Erst nach zweiwöchigen, verlustreichen Kämpfen gelang es der saudi-arabischen Staatsmacht, die Geiselnehmer zu überwältigen. Irans Revolutionsführer Chomeini bezichtigte die USA als verantwortlich für die Schändung der Heiligen Stadt. Als Reaktion darauf brannte eine aufgebrachte Menschenmenge am 21. November die US-Botschaft in Pakistans Hauptstadt Islamabad nieder.
Hoffnungsvoll verlief dagegen der Friedensprozess im Nahen Osten. Ägypten und Israel unterzeichneten im US-amerikanischen Camp David einen Friedensvertrag und beendeten damit den seit 1947/48 bestehenden Kriegszustand. Israel begann seine Truppen von der seit 1967 besetzten ägyptischen Sinai-Halbinsel abzuziehen.
In Nicaragua fand mit dem Sieg der linksgerichteten Sandinisten nach einem zweijährigen Bürgerkrieg die 35 Jahre gedauerte diktatorische Herrschaft der Somoza-Familie ein Ende.
Der NATO-Doppelbeschluss (12. Dezember) markierte die Politik des westlichen Bündnisses einerseits durch Modernsiung des Atomwaffen-Arsenals schlagkräftig zu bleiben, andererseits durch Abrüstungsabkommen mit dem Warschauer Pakt Entspannungswillen zu zeigen. Der NATO-Oberbefehlshaber, US-General Alexander Haig, hatte am 25. Juni nur knapp einen Bombenanschlag der deutschen Terroristengruppe RAF (Rote Armee Fraktion) überlebt. Weniger Glück hatte der greise Onkel des britischen Prinzgemahls. Earl Louis Mountbatten, ein populärer Held des Zweiten Weltkriegs, wurde vor der irischen Küste mit seiner Yacht in die Luft gesprengt. Bei dem Anschlag, mit dem sich die im Nordirland-Konfikt gegen Großbritannien agierende Provisional IRA brüstete, kam am 27. August nicht nur der 79-jährige Hochadlige zu Tode, sondern drei weitere Menschen, darunter ein 14-jähriger Junge. Die Untat bestärkte die britische Regierung in ihrer unnachgiebigen Haltung gegenüber tatsächlichen oder vermuteten Terroristen in Nordirland. An der Spitze der britischen Regierung stand 1979 zum ersten Mal eine Frau. Im Mai hatten die Konservativen bei den Unterhauswahlen gesiegt und Margaret Thatcher war Premierministerin geworden. Sie setzte einen betont wirtschaftsliberalen und gesellschaftskonservativen Kurs durch („Thatcherismus“), der unter anderem zu erheblichen sozialen Verwerfungen im Vereinigten Königreich führte.
Ein deutscher Bewunderer der „Eisernen Lady“ war der ähnliche Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle vertretende CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß, der sich 1979 gegen die CDU-Konkurrenz durchsetzen konnte und zum Kanzlerkandidaten der Union für die Wahl 1980 gekürt wurde.
Zu seinem Unmut zogen im Oktober 1979 zum ersten Mal Grüne in ein bundesdeutsches Landesparlament: Die vier bremischen Bürgerschafts-Abgeordneten der „Grünen Liste Bremen“ wirkten mit ihren Blümchen, Zottelbärten und Schlabberpullovern noch auf viele Bürger recht exotisch. Mit zum Wahlerfolg der als Anti-AKW-Aktivisten profilierten Grünen beigetragen hatte das schwere Unglück im US-Kernkraftwerk Harrisburg am 28. März. Die teilweise Kernschmelze im Reaktorblock des AKWs hatte die Kernkraftsicherheits-Debatte neu angeheizt. Eine weitere Bremensie 1979 war die Wahl des gebürtigen Bremers Karl Carstens zum Nachfolger von Walter Scheel im Amt des Bundespräsidenten.
In der Konsum-Welt gab es 1979 zwei wichtige Innovationen: Sony brachte den weltersten Walkman auf den Markt und McDonald´s erweiterte sein kulinarisches Schnelless-Programm durch das „Happy Meal“. (mb)